Weiterentwicklung des Landesprogramms KIPS Prävention NRW – für Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern

Pressemitteilung vom GKV-Bündnis in NRW zur zweiten Förderphase von KiPS Prävention NRW

Das Landesprogramm „KIPS Prävention NRW – Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken“ startet in eine vierjährige Weiterentwicklungsphase (2025–2029). Gefördert wird es gemeinsam vom GKV-Bündnis für Gesundheit in NRW und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW). Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA in Essen übernimmt die fachliche Begleitung und Koordination.

Ziel ist es, die Lebenslagen von Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen eines Elternteils nachhaltig zu verbessern – mit einem klaren Fokus auf das gesamte Familiensystem. KIPS Prävention NRW bietet landesweit Präventionsgruppen, in denen Kinder und Jugendliche altersgerecht begleitet und in ihrer Resilienz gestärkt werden.

Neu: Lebenswelt Kita im Fokus
Künftig wird die Lebenswelt Kita stärker einbezogen: NRW-weit werden Fortbildungen zu Resilienzstärkung und Basiswissen Sucht angeboten, um Fachkräfte frühzeitig zu sensibilisieren und zu schulen.

Familienorientierung als Leitgedanke
Die neue Förderperiode erweitert den bisherigen Kinderfokus hin zu einer ganzheitlichen Familienperspektive. Eltern, Geschwister und weitere Bezugspersonen werden stärker einbezogen, um Beziehungen zu stärken, das Verständnis für die Erkrankung zu erhöhen und die familiäre Resilienz zu fördern.

Stimmen zum Programm

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Wir wollen die Prävention und Gesundheitsförderung von Kindern, die in besonders belasteten Familien aufwachsen, langfristig und kontinuierlich verbessern. Das Landesprogramm ‚KIPS Prävention NRW: Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken` hat sich in diesem Zusammenhang etabliert und stellt ein wichtiges Unterstützungsangebot dar. Das Landesprogramm ist dabei bundesweit Vorreiter. Daher ist es nun der richtige Schritt, das Programm weiterzuentwickeln.“

Michaela Gerritzen, Leitung der Landesfachstelle BELLA DONNA:
„Mit KIPS Prävention NRW schaffen wir sichere, niedrigschwellige Räume, in denen Kinder und Eltern frühzeitig Unterstützung erfahren. Die neue Förderphase ermöglicht es, Angebote noch stärker familienorientiert auszurichten und Fachkräfte landesweit zu vernetzen.“

Sven Sassen, Leitung der Geschäftsstelle des GKV-Bündnis für Gesundheit NRW:
„Das Programm verbindet Prävention, Familienorientierung und kommunale Verantwortung. Wir unterstützen Strukturen, die über die Projektlaufzeit hinauswirken und in die kommunale Gesundheitsförderung integriert werden können.“

Fortführung und Weiterentwicklung
Die neue Förderphase knüpft an die erfolgreiche Arbeit seit 2020 an und setzt folgende Schwerpunkte:

  • familienorientierte Gruppen- und Beratungsangebote
  • stärkere Vernetzung zwischen Jugendhilfe, Suchthilfe und Gesundheitswesen
  • Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Fachkräfte
  • standardisierte Qualitäts- und Evaluationsprozesse
  • Fortbildungen in der Lebenswelt Kita zur Resilienzstärkung, inkl. pädagogischer Methoden, Basiswissen zu Sucht und psychischen Erkrankungen sowie Hinweisen zu Elterngesprächen

Ziel ist es, KIPS Prävention NRW langfristig als festen Bestandteil einer kommunal verankerten Präventionslandschaft in Nordrhein-Westfalen zu etablieren.

Hintergrund
KIPS Prävention NRW wird seit 2020 umgesetzt und richtet sich an Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Das Programm ist an zahlreichen Standorten in Nordrhein-Westfalen etabliert und trägt dazu bei, Kinder zu stärken, Familien zu entlasten und Fachkräfte zu vernetzen. Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW in Essen übernimmt Programmsteuerung, Koordination sowie fachliche Beratung und Fortbildung der Projektstandorte.

Weitere Informationen unter: www.kips.nrw

Pressekontakt/Geschäftsstelle GKV-Bündnis für Gesundheit:

  • Ansprechpartner:
    Georg Stamelos, Pressesprecher
    Tel.: 0201/179 1516
    Mobil: 0152 28875975
    E-Mail: Georg.Stamelos@bkk-nordwest.de
  • Ansprechpartner:
    Sven Sassen, Leitung Geschäftsstelle GKV-Bündnis für Gesundheit in NRW
    c/o BKK-Landesverband NORDWEST
    Tel.: 0201/179– 1537
    Mobil: 0152 28875920
    E-Mail: sven.sassen@bkk-nordwest.de

Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW:

  • Pressekontakt:
    Dorothee Kuckhoff, Koordinatorin des Landesprogramms KIPS Prävention NRW
    Tel.: 0201/24 84 17-2
    E-Mail: d.kuckhoff@belladonna-essen.de
  • Fachliche Ansprechperson:
    siehe oben

Oft unsichtbar und dennoch betroffen: Kinder in Familien mit Sucht- und psychischen Erkrankungen

„Wir werden sichtbar“ ist das Motto der diesjährigen Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien (coa-aktionswoche.de). Es soll darauf aufmerksam machen, dass nicht jedem Kind eine familiäre Belastungssituation angesehen werden kann. Und trotzdem können Pädagog*innen sie unterstützen. 

Eine Suchterkrankung oder eine psychische Erkrankung betrifft niemals nur die erkrankte Person, sondern immer auch ihr familiäres und soziales Umfeld.
Ein häusliches Ungleichgewicht und Unsicherheiten prägen die Kindheit und die weitere Entwicklung von Kindern maßgeblich. Sie sind deutlich häufiger von Armut betroffen und erleben Stigmatisierung sowie Benachteiligung. Viele übernehmen innerhalb ihrer Familien Verantwortung – sowohl für Geschwisterkinder als auch für das betroffene Familienmitglied. Darüber hinaus fühlen sich viele Kinder für die mentale Verfassung des erkrankten Familienmitglieds verantwortlich. Infolge von Unsicherheit, Angst und sozialer Isolation entwickeln sie häufiger stressbedingte Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Nicht jedem Kind ist die Belastung, die es durch die familiäre Situation erfährt, anzumerken. Während einige dem Druck und den negativen Erfahrungen durch aufmerksamkeitsforderndes Verhalten Ausdruck verleihen – etwa durch aggressives Verhalten oder als „Gruppenclown“ –, ziehen sich andere zurück oder übernehmen auch im außerfamiliären Kontext Verantwortung für ihre Mitmenschen und soziale Beziehungen. Die Bedürfnisse und Bedarfe dieser „unsichtbaren Kinder“ werden häufig übersehen. Dies führt dazu, dass sie nicht die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen erhalten und über lange Zeit – oft ein Leben lang – allein mit der Belastung umgehen müssen. Diese Kinder haben ein deutlich erhöhtes Risiko, später selbst eine Sucht- oder psychische Erkrankung zu entwickeln.

Auch Kinder, denen die familiäre Belastung nicht unmittelbar anzumerken ist, können in der Kita gezielte Unterstützung erfahren. Die frühe Stärkung ihrer Resilienz hilft allen Kindern, sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen ihres Lebens zu stellen. Entscheidend sind hierbei vier Faktoren:

  • positive Erfahrungen in den Einrichtungen
  • Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch das Erkennen der eigenen Grenzen
  • stabile Beziehungen zu anderen Kindern und den Mitarbeitenden
  • Bildung.

Diese Schlüsselfaktoren tragen maßgeblich dazu bei, Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung zu stärken und sie langfristig zu befähigen, mit Belastungen umzugehen.

Im Rahmen des Landesprogramms KiPS Prävention NRW möchten wir darum unter anderem Mitarbeitende von Kindertagesstätten in NRW dazu befähigen, betroffene Kinder bei der Stärkung ihrer Resilienz zu unterstützen und sie so für die Herausforderungen in ihrem Leben zu wappnen.

Bei Fragen rund ums Landesprogramm KiPS, senden Sie uns gerne eine E-Mail an kips@belladonna-essen.de oder rufen Sie an unter 0201.24 84 17-2. Alle Infos finden Sie auch unter http://kips.nrw .