Drogen-
und Suchthilfepolitik in NRW
Im Sommer 2007 und
2008 führten die
Antwort
der Landesregierung auf die Große Anfrage 16 der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen (Drucksache 14/5124):
Drogen-
und Suchtpolitik in Nordrhein-Westfalen
und die
Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage 19 der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen (Drucksache 14/6997):
Geschlechtsspezifische
Aspekte der Drogen- und Suchthilfepolitik in Nordrhein-Westfalen
zu großem
Befremden bei Fachfrauen in NRW, die z.T. langjährig
im Arbeitsfeld tätig sind und sich zum Thema
„Frauen und Sucht“ in regionalen Arbeitskreisen in
NRW organisiert haben.
Die Antworten
zu der Großen Anfrage zur "Drogen- und Suchtpolitik in
Nordrhein-Westfalen" veranlasste diverse Arbeitskreise, die
Landesregierung über ihre Erfahrungen in der Praxis zu informieren
und ihr Befremden gegenüber
den Antworten der Landesregierung auszu-drücken. Die Aussagen
wurden nicht nur als undifferenziert benannt, sondern es wurden
auch konkrete Beispiele aufgezeigt, wie sich die Mittelkürzungen
auf die gendersensible Arbeit mit Frauen tatsächlich auswirken.
So
wird der Aussage, dass die Streichung der Erweiterten Grundförderung
für die Arbeit mit Frauen - die bekanntermaßen eine Anschubfinanzierung,
keine auf Dauer angelegte Förderung darstellte - die frauenspezifischen
Drogenberatungs- und Hilfeangebote nicht in Frage gestellt habe,
deutlich und anhand überprüfbarer Kriterien widersprochen.
Ebenso
wenig teilen die Fachfrauen aus der Praxis die Einschätzung
der Landesregierung, dass der Entwicklungsprozess zum Auf- bzw.
Ausbau entsprechender Beratungsschwer-punkte in NRW zwischenzeitlich
abgeschlossen sei.
In
den Stellungnahmen der Arbeitskreise wird übereinstimmend von
negativen Konse-quenzen für die Praxis berichtet, bis hin zu
der Einstellung oder erheblichen Reduzierung von Angeboten für
Frauen.
Von
den Fachfrauen wird ausgeführt, welche Auswirkungen die Mittelkürzungen
auch bezogen auf die Weiter- und Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen
in der Praxis haben – und welche Bedeutung der Qualifizierung und
fortdauernden Reflexion der Arbeit bei der Auseinandersetzung mit
den Biografien der betroffenen Frauen –insbesondere unter den Aspekten
der massiven Gewalterfahrungen, der Thematik Schwangerschaft und
Mutterschaft etc.– für eine fachlich konsequente und qualifizierte
Arbeit zukommen.
Die
Teilnehmerinnen der Arbeitskreise formulierten deutlich ihr Bedauern
darüber, dass mit der Schließung
der Landesfachstelle Frauen & Sucht NRW, BELLA DONNA, eine bewährte
Struktur des fachlichen Austauschs aufgegeben wurde, dass Fortbildungsmöglichkeiten
im Bereich Frauensuchtarbeit abgebaut wurden sowie der wichtige
kollegiale Austausch und die Vernetzung in NRW erheblich erschwert
werden.
Sie
weisen darauf hin, dass diese fehlenden Strukturen und Angebote
bisher in keiner Weise ersetzt wurden, für eine Aufrechterhaltung
des bisher Erreichten und eine Weiter-entwicklung gendersensibler
Suchtarbeit in NRW aber dringend erforderlich seien.
Es ist
ausgesprochen bedauerlich, dass die Landesregierung
den Erkenntnisgewinn, den sie verzeichnen könnte, wenn sie
die Aussagen der sozialen Akteurinnen in diesem Arbeits-feld zur
Kenntnis nehmen würde, nicht wahr nimmt.
In
den Arbeitskreisen „Frauen und Sucht“ in NRW treffen sich Fachfrauen
aus unterschied-lichen Arbeitsfeldern der Sucht- und Drogenhilfe
in NRW, z.T. seit mehr als 20 Jahren. Hier liegt eine Fülle
von fachlichen Kompetenzen vor; hier treffen sich Expertinnen für
die Umsetzung der frauenbezogenen Sucht- und Drogenhilfe in NRW,
die über umfassende Kenntnisse bezogen auf die psychosoziale
Versorgung vor Ort verfügen.
Es
wirkt befremdlich, wenn von Seiten der Landesregierung wiederkehrend
darauf verwiesen wird, dass keine „empirisch gesicherten allgemeingültigen
Aussagen“ vorliegen, die vorliegenden nicht-repräsentativen
Studien jedoch, die bislang zwar tatsächlich nicht wissenschaftlich
umfassend bestätigt, aber auch in keiner Weise widerlegt sind,
nicht zur Kenntnis genommen werden.
In der Antwort
auf die Anfrage zu geschlechtsspezifischen Aspekten der Drogen-
und Suchthilfepolitik wird wiederholt auf den
Aufwand verwiesen, den es bedarf, zu erfassen, wie sich die geschlechtsbezogene
Arbeit in NRW tatsächlich darstellt: er stehe in keinem „vertretbaren
Verhältnis“ zu dem „zu erwartenden Nutzen“.
Gleichzeitig
werden fachliche Kompetenzen, Erfahrungswerte und nicht-repräsentative
Erkenntnisse nicht akzeptiert.
Auch wenn
repräsentative Erhebungen tatsächlich nicht vorliegen,
gibt es eine Fülle von Erkenntnissen und Erfahrungen, die abrufbar
sind. Und selbst wenn eine solche Sammlung nicht repräsentativ
ist, kann sie so lange nicht widerlegt werden, bis eine repräsentative
Studie die Ergebnisse tatsächlich widerlegt - oder aber bestätigt.
Es
ist unser Anliegen, unserer Landesregierung einen vertieften Einblick
in die landesweite gendersensible Entwicklung zu ermöglichen.
Aus
diesem Grund haben wir die Mitarbeiterinnen der Sucht- und Drogenhilfe
in NRW zu einer Befragung eingeladen.
Denn:
Die Sucht- und Drogenhilfe unseres Landes hat und braucht engagierte
Mitar-beiterinnen, um sich diesem Arbeitsfeld zu stellen - und die
Landesregierung NRW kann erfreut darüber sein, dass diese engagierten
Fachfrauen sich neben ihrem "Alltagsgeschäft" auch
darum bemühen, die politisch Verantwortlichen umfassend zu
informieren.
Die
Befragung von Mitarbeiterinnen der ambulanten Sucht- und Drogenhilfe
zum Bedarf
- an
geschlechtsbezogener Fort- und Weiterbildung für die Arbeit
mit Frauen in der Sucht- und Drogenhilfe
- an
Vernetzung der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Frauen
sowie
- zu
den Praxiserfahrungen zur psychosozialen Versorgung
wurde im
Dezember 2008 und Januar 2009 von BELLA DONNA durchgeführt.
Die Ergebnisse finden Sie hier:
NRW im Blick: FrauenMännerGender in der ambulanten Sucht- und Drogenhilfe
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Im
Rahmen der politischen Diskussionen um die geschlechtsbezogene Sucht-
und Drogenhilfe in NRW hat zum Antrag:
"Geschlechtergerechte
Drogen- und Suchtpolitik in NRW voranbringen!"
am 26. März 2009 eine öffentliche
Anhörung im Ausschuss für Frauenpolitik gemeinsam mit dem Ausschuss
für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Landtag NRW stattgefunden.
Die Stellungnahmen der Sachverständigen finden Sie hier.
Das Ausschussprotokoll finden Sie hier.
Informationen zum Antrag der Grünen Landtagsfraktion NRW zu der Anhörung:
Suchthilfe braucht den Blick auf Frauen und Männer
Geschlechtergerechte Suchtpolitik in NRW voranbringen
Artikel
im zwd-Magazin: Geschlecht
nach wie vor keine Prüfgröße in der NRW-Suchthilfe
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weiterlesen:
Silke Brigitta Gahleitner, Connie Lee Gunderson (Hg.):
Frauen Trauma Sucht, Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen
Asanger Verlag, Kröning, 2008. ISBN 978-3-89334-493-2
"Die gute Mischung aus Theorie und konkreter Praxiserfahrung sowie die Plädoyers für parteiliche Arbeit sowie ganzheitliche Konzeptionen im Sinne einer Vernetzung verschiedener Berufsgruppen machen dieses Buch esenswert sowohl für die Forscherin wie für die Praktikerin. Es lädt ein, neugierig auf mehr Forschung und erweiterte Praxis zu werden. Alle, die mit traumatisierten süchtigen Frauen arbeiten und diese unterstützen wollen, können von der Arbeit der Autorinnen profitieren." (aus dem Geleitwort von Prof. Dr. Luise Reddemann).
Grundsatzpapier
der DHS zu "Gender Mainstreaming in der Sucht-arbeit":
Das
Grundsatzpapier zu "Gender Mainstreaming in der Suchtarbeit"
stellt einen wertvollen Beitrag für die weitere Diskussion
und die Entwicklung in der Sucht- und Drogenhilfe dar.
Das Grundsatzpapier
zu "Gender Mainstreaming in der Suchtarbeit"
ist als download unter
www.dhs.de
zu erhalten.
"Gender
Mainstreaming in der Suchthilfe. Eine Expertise"
Christel
Zenker, Klaudia Winkler, Carmen Walcker-Mayer, Irmgard Vogt, Roswitha
Soltau, Manuela Schumann, Ulrike Ohnmeiss, Christa Merfert-Diete,
Ulrike Korthaus, Viktoria Kerschl, Cornelia Helferich
Fachverband
Drogen und Rauschmittel e.V., Mai 2005, FDR-Texte Nr. 4
Zu beziehen
über den Neuland Verlag GmbH
zum Preis von € 6,00 zuzügl. Versandkosten.
"Zukunft
einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW"
Abschlussbericht
der Enquetekommission des Landtags NRW
Das
Ergebnis 3jähriger Arbeit der Kommission im Auftrag des Landtags
NRW ist als Buch (ISBN-Nr. 3-8100-14414-6; € 39,90) Handel
erhältlich.
Die
Prävalenzstudie: "Lebenssituationen, Sicherheit
und Gesundheit von Frauen in Deutschland" ist die
erste repräsentative und in vieler Hinsicht international vergleichbare
Untersuchung zur Betroffenheit von Frauen durch geschlechtsbezogene
Gewalt. Der Kurzbericht kann auf den Internet-Seiten des Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend heruntergeladen werden:
Zusammenfassung
zentraler Studienergebnisse
Christel Zenker, Karin Bammann und Ingeborg Jahn: Genese
und Typologisierung der Abhängigkeitserkrankungen bei Frauen.
Herausgegeben vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale
Sicherung. Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, Baden-Baden, 2002
Dieser Untersuchung liegen die Angaben von fast der Hälfte
aller Frauen, die im Jahr 2000 wegen ihrer Suchtmittelabhängigkeit
in stationärer Behandlung waren, zugrunde.
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