Praxis trifft Wissenschaft: Dialog zur Qualitätsentwicklung der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Frauen in der Sucht- und Drogenhilfe

Am 06. Februar 2014 fand in den Räumen der Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht, BELLA DONNA, das Fachgespräch „Praxis trifft Wissenschaft: Dialog zur Qualitätsentwicklung der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Frauen in der Sucht- und Drogenhilfe“ statt.

Gemeinsam mit Prof.in Dr. Frauke Schwarting vom Department Soziale Arbeit der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg diskutierten Mitglieder einer Unterarbeitsgruppe des NRW-Netzwerks „Frauen und Sucht“ zu den Fragen, wo die Frauensuchtarbeit heute steht bzw. was erreicht worden ist und welche Handlungsmöglichkeiten und praktischen Schritte sich für deren Weiterentwicklung ableiten lassen. Ziel des Dialogs war es, Ideen für eine bessere Nutzbarmachung des aktuellen Wissens- und Erkenntnisstandes zur Qualitätsentwicklung der Frauensuchtarbeit zu sammeln und in diesem Zusammenhang auch Möglichkeiten eines besseren Transfers zwischen Wissenschafts- und Praxiswissen zu entwerfen.

Der Vormittag wurde für eine Bestandsaufnahme der heutigen Frauensuchtarbeit aus Sicht von Wissenschaft und Praxis genutzt, während am Nachmittag Möglichkeiten der Weiterentwicklung in den Fokus gerückt wurden.

Als ein wesentliches Ergebnis des Fachgesprächs kristallisierte sich heraus, dass seit Beginn der Frauensuchtarbeit vor mehr als 25 Jahren zwar viele Diskussionen, Forschungen, fachliche Entwicklungen und praktische Erfahrungen entstanden seien und somit insgesamt schon viel erreicht wurde, es bislang aber noch nicht gelungen sei, die genderbezogene Arbeit mit Frauen strukturell zu verankern und abzusichern. Als Barrieren hierfür wurden neben der unzureichenden Berücksichtigung einer geschlechterreflexiven Perspektive in Aus- und Weiterbildung, der Mangel an wissenschaftlicher Begleit- und Wirksamkeitsforschung, ein durch fehlende Bündelung erschwerter Zugang zum vorliegenden Praxiswissen sowie ein unzureichender Wissenschafts-Praxis-Transfer identifiziert.

Für die Qualitätsentwicklung der Frauensuchtarbeit sei es deshalb wichtig, die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und Praxiserfahrungen zu geschlechtergerechter Suchthilfe wirksamer zu bündeln und besser verfügbar zu machen, aktuelle Forschungen und fachliche Vorgaben stärker zur nachhaltigen Begründung und fachlichen Fundierung geschlechtsbezogener Arbeit zu nutzen und ein gemeinsames Forum für Praxis und Wissenschaft zu schaffen, das den Wissenstransfer zwischen beiden Bereichen befördert. Hiermit würde sich auch die Chance verbinden, Forschungs- und Praxislücken aufzudecken und zu erkennen, inwiefern und wie zeitnah sich Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis niederschlagen bzw. umgekehrt, welche Fragestellungen sich aus der Praxis an die Wissenschaft ergeben und von dieser aufgegriffen werden.

Die lebhaften Diskussionen im Rahmen des Fachgesprächs verdeutlichten eindrücklich den hohen Bedarf und Wunsch nach einem kontinuierlichen fachlich-inhaltlichen Austausch sowohl zwischen Wissenschaft und Praxis als auch unter den Praktikerinnen. Dies zeigte sich auch daran, dass trotz des vergleichsweise großzügigen zeitlichen Rahmens am Ende des Fachgesprächs zahlreiche Fragen offen bleiben mussten.